100 Jahre baierische Revolution

Ausrufung Räterepublik in WürrzburgVeranstaltungsreihe in Nürnberg und Erlangen

Fast vergessen sind  die revolutionäre Aufbruchstimmung, der räterepublikanische »Freistaat Baiern« und die Frauen und Männer, die sich vor 100 Jahren gegen Krieg und Militärdiktatur stellten. Die baierische Revolution von 1918/19 brachte eine vier Wochen bestehende Räterepublik hervor und zerbrach schließlich unter dem Terror der weißen Garden.

Die Veranstaltungen und eine Ausstellung erinnern an die Ereignisse vor 100 Jahren. In der Regionalgeschichte der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen zeigt sich die Spannbreite der Reaktionen außerhalb des Münchens. Während sich Fürth für kurze Zeit der Räterepublik anschließt, wird in Nürnberg der Kriegszustand erklärt, in Erlangen formieren sich Freikorps.

Ausstellungszeitraum in Erlangen | Stadtbibliothek | Marktplatz 1
Mittwoch 27.03.2019 bis Dienstag 07.05.2019

Ausstellungszeitraum in Nürnberg | Villa Leon | Pilipp-Koerber-Weg 1
Donnerstag 09.05.2019 bis Sonntag 26.05.2019

»Würden Barrikaden gebaut – ich wäre der erste, der sich daraufstellte« 

Dienstag | 07. Mai | 20 Uhr | Stadtbibliothek Erlangen
Donnerstag | 09. Mai | 19 Uhr | Villa Leon
Nürnberg

Szenische Lesung von Nadja Bennewitz, Martina Fries & Michael Liebler.
»Literat*innen, jüdische Intellektuelle, Expressionist*innen und radikale Frauenrechtlerinnen: Sie schrieben gegen Massensterben und Massentöten und gegen den Krieg. Sie forderten eine »Politisierung des Geistes« und eine »Dichtung im Dienst der Revolution« Doch ihre Utopie scheiterte – musste sie? »Einmal müssen wir Ernst machen mit der Utopie. Heute, sag ich. Sofort.« (René Schickele)

»Ich nahm die rote Fahne und schrie: Hoch die Revolution!« Frauen in der Räterepublik

Donnerstag | 16. Mai | 19 Uhr | Villa Leon Nürnberg
Donnerstag | 23. Mai | 19 Uhr | Archiv & Bibliothek Metroproletan Nürnberg
Vortrag von Nadja Bennewitz M.A. Historikerin

„Da kam das Starke, Unerwartete: die Revolution. Die Ketten fielen, die Frau war frei. Ich las die Botschaft – fast fehlte mir der Glaube“, so die „Frauenrechtlerin des Frankenlandes“ Berta Kipfmüller.
Wie erlebten Frauen die baierische Revolution und Räterepublik? Wie sah ihre Beteiligung an den Räten aus? Teilten alle Revolutionäre die „Sehnsucht nach Gerechtigkeit von Mann und Frau“ wie Lida Gustava Heymann es formulierte?
In dem Vortrag werden Protagonistinnen der baierischen Revolution und ihre frauenpolitischen Aktivitäten aufgezeigt.

Film: »Es geht durch die Welt ein Geflüster«

17. Mai 2019 | 19 Uhr | Filmhaus Kino | Königstraße 93, Nürnberg 
Boa Videofilmkunst, 45 Min.
Im Zentrum des Dokufilms stehen neben zeitgeschichtlichen Originalaufnahmen zahlreiche Interviews. Die Besonderheit besteht darin, dass es den Macher*innen des Films gelang, 1989, zum 70. Jahrestag, die letzten noch lebenden ZeitzeugInnen und Aktivist*innen aus der Münchner Revolution & Räterepublik 1918/19 zu interviewen.
Die Regisseurin und Filmemacherin Ulrike Bez wird anwesend sein, eine Einführung geben und danach auch zur Diskussion zur Verfügung stehen.

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Ausstellung zur bairischen Räterepublik

27.03. – 07.05.2019 in der Stadtbibliothek Erlangen | 09.05. – 26.05.2019 in der Villa Leon Nürnberg

Die Ausstellung erinnert an die heute fast vergessene revolutionäre Aufbruchstimmung und den räterepublikanischen „Freistaat Baiern“ vor 100 Jahren. Fotos, Kurzbiografien, zeitgeschichtliche Dokumente und Beschreibungen geben Auskunft über den „liberalsten Staat, den es je auf deutschem Boden gab“ (Willi Winkler, SZ vom 14.07.08). Auch die Ereignisse in der Region – z. B. die Ausrufung der Räterepublik in Fürth – werden dargestellt.

Eine Ausstellung des Stadtarchivs Aschaffenburg nimmt zentrale Etappen, Themen und Personen rund um die Ausrufung des Freistaats Bayern am Ende des Ersten Weltkriegs, die unblutige Revolution Kurt Eisners sowie die nach seinem gewaltsamen Tod ausgerufenen Räterepubliken in den Blick. Ergänzt wird diese Ausstellung durch neue Tafeln des Vereins zur Förderung alternativer Medien über Ereignisse in der Region, die Rolle von Frauen, die Niederschlagung der Räterepublik sowie die Entwicklung zur Ordnungszelle Bayern.
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Plenum R München

Veranstaltungen

Linke Chaoten, gewalttätige Kommunisten, russische Steppenfurien – dies sind nur einige der gängigen Gehässigkeiten gegen die Frauen und Männer, die sich vor 100 Jahren mutig gegen Krieg und Militärdiktatur stellten. Das Plenum R wird in seiner 2. Revolutionswerkstatt mit Filmen, Vorträgen renommierter Historiker*innen, Kunstausstellungen und gemeinsamen Werkstätten neue Schlaglichter auf die Zeit der bairischen Revolution 1918 und der ihr folgenden Räterepubliken 1919 werfen und zur Diskussion einladen.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Infos und Programm: http://plenum-r.org   Veranstaltungsflyer pdf

Revolution der Räte

„Baiern ist Räterepublik … “ meldeten am 7. April 1919 Telegramme aus München an die bayerischen Städte und Gemeinden. Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte (ASB) übernahmen in vielen Städten und kleinen Ortschaften die Macht …

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Bayern wird Freistaat

Am 7. November 1918 wird in München die verhasste Monarchie gestürzt und die Bayerische Republik proklamiert: Die RevolutionärInnen organisieren sich in den „Arbeiter, Bauern und Soldatenräten“. Die meisten politischen und sozialen Errungenschaften, die von der Arbeiter-, Frauen- und Gewerkschaftsbewegung im 20. Jahrhundert erkämpft werden konnten, sind Erfolge dieser Rätezeit – das reicht vom Frauenwahlrecht bis zum 8-Stundentag. Doch dem Experiment bleiben nur wenige Monate Zeit.

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Frauen in die Räte

Plakat Anita AugspurgDer Ausbruch der Novemberrevolution begeisterte die politisch aktiven Frauenrechtlerinnen. Mit Ministerpräsident Eisner teilten Lida Gustava Heymann und Anita Augspurg „die gleiche Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit für Mann und Frau“. In der neuen provisorischen Nationalversammlung mit Arbeiter- und Soldatenräten waren acht weibliche Delegierte, darunter Rosa Kempf, die forderte: „Wenn wirklich die Räte als Fundament einer neuen politischen Organisation bestehen bleiben sollen, dann muß auch für die Frau eine Ratsorganisation geschaffen werden.“

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»Nirgends ein Gewaltakt« – Räterepublik Fürth

Die soziale Lage des Landes spiegelte sich im Winter 1918/199 auch in Fürth wider: Bei einer GesamteinwohnerInnenzahl von ca. 70000 waren Mitte Februar 1919 bereits 7000 arbeitslos. Der Tageshöchstsatz der Arbeitslosenunterstützung entsprach etwa einem Stundenlohn eines Arbeiters. Anfang März demonstrierten etwa 2000 Menschen vor dem Fürther Rathaus für bessere Lebensmittelrationen. Vor dem Sitz der Volkswehr im Parkhotel forderten sie die Beschlagnahme von Lebensmittelvorräten bei den reichen BürgerInnen der Stadt.

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Vier Tage Räterepublik Fürth

Telegramm des Fuerther Arbeiter- und Soldatenrates vom 6. April 1919

„Trotz alledem“

Die Ausrufung der Bayerischen Räterepublik am 7. April 1919 traf Fürth nicht überraschend. Schon am Vorabend hatte der Fürther Arbeiter- und Soldatenrat (ASR) gegen nur wenige Stimmen der Mehrheitssozialisten (MSPD) eine Resolution für die Räterepublik verabschiedet. Auch Volkswehr-Oberstleutnant Mayer (USPD) erklärte die Zustimmung der Garnison…

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Erlanger Universität stärkste Kraft im Freikorps

Studentenkompanie Uttenruthia - Erlangen - Ohrdruf - München

Studentenkompanie Uttenruthia – Erlangen – Ohrdruf – München

„Der Gegner war zwar nur ein Haufen von Banden, leistete aber hartnäckig Widerstand. […] In der Nacht vom 1. zum 2. Mai war aus allen Teilen Münchens lebhaftes Gewehr- und Maschinengewehrfeuer zu hören, Granaten und Minenwerfer krachten, Leuchtkugeln stiegen hoch, alles wie im Krieg. …“ Als stärkste Kraft im Freicorps beteiligten sich ca. 350 Erlanger Studenten an der Niederschlagung der Räterepublik.

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Kriegsrecht in Nürnberg

Kriegszustand über Nürnberg

In Nürnberg kam es bereits am 4. April 1919 zu Gesprächen zwischen der MSDP, dem Generalstab und den Soldatenräten, in denen sich alle gegen die Räterepublik aussprachen. Offiziere und Soldatenvertreter beschlossen, eine ausgerufene Räterepublik auch mit Waffengewalt zu bekämpfen.

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