Frauen in die Räte

Plakat Anita Augspurg

Mit der Novemberrevolution erhielten erstmals alle Frauen und Männer das Wahlrecht – Jahrzehntelang hatte die Frauenbewegung hierfür gekämpft.

Der Ausbruch der Novemberrevolution begeisterte die politisch aktiven Frauenrechtlerinnen. Mit Ministerpräsident Eisner teilten Lida Gustava Heymann und Anita Augspurg „die gleiche Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit für Mann und Frau“. In der neuen provisorischen Nationalversammlung mit Arbeiter- und Soldatenräten waren acht weibliche Delegierte, darunter Rosa Kempf, die forderte: „Wenn wirklich die Räte als Fundament einer neuen politischen Organisation bestehen bleiben sollen, dann muß auch für die Frau eine Ratsorganisation geschaffen werden.“

Ausstellungstafel zu diesem Thema

Auch Augspurg stellte den Antrag auf „Ergänzung des Rätesystems durch Errichtung von Frauenräten“, was die Mehrheit der SPD verweigerte. Der Anarchist Erich Mühsam kommentierte: „Das Selbstverständlichste der Welt, (…) die Gleichberechtigung der Frauen (…) haben sie abgelehnt.“

Gleichwohl stellten Frauen ihre Arbeitskraft in den Dienst der Revolution. Das neue Referat für Frauenrechte leitete Gertrud Baer, Heymann übernahm die Leitung des Telegrafenamtes, um zu verhindern, „daß lügenhafte Berichte ins Ausland gingen“, und im Revolutionstribunal fungierte Hedwig Kämpfer als Richterin. Auch in der 2. Räterepublik unter kommunistischer Führung arbeiteten Frauen, so Frida Rubiner im Propagandaausschuss der Verkehrskommission.

Frauen organisierten sich jenseits von Parteigrenzen eigenständig im „Bund Sozialistischer Frauen“, „der sich die politische Aufklärung und Schulung der Frauen zur Aufgabe gemacht hat.“

Als im April die konterrevolutionären „Weißen Garden“ gegen München zogen, beteiligten sich Frauen sowohl am Abwehrkampf in Dachau als auch an den Münchner Straßenkämpfen. Unter den Verfolgungen hatten auch sie zu leiden: Viele wanderten ins Zuchthaus oder wurden grausam als „Kommunistenweiber“ im Gefängnishof von Stadelheim exekutiert.

Anita Augspurg (stehend) und Lida Gustava Heymann

 

 

Anita Augspurg (1857-1943) (stehend) und Lida Gustava Heymann (1868-1943) waren die führenden Vertreterinnen der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung. Die Nachricht über die Revolution in Bayern erreichte Heymann in Hamburg; wenige Tage später in München suchte sie zusammen mit Augspurg Kurt Eisner auf.

 

 

„Alles was da stand, gefiel mir, besonders das letzte: ‚Männer und Frauen haben die gleichen Rechte, die Frauen erhalten das aktive und passive Wahlrecht.’ Meinem Mann gefiel gar nichts.“
Die Pazifistin Constanze Hallgarten engagierte sich schon während des Krieges und übernahm die Leitung der 1915 gegründeten „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“. Die revolutionären Ereignisse begrüßte die streitbare Dame aus dem Bürgertum als „die einzig logische Folge des beendeten Krieges“. Von ihrer bürgerlichen Herkunft sagte sie sich „innerlich mehr und mehr los“.
„Allein die Kommunistische Partei fing an, neben der Kritik an der Scheinräterepublik vom ersten Tage an reale Politik zu betreiben.“
Rosa Leviné (1890-1979) stammte aus einer polnischen Rabbinerfamilie. 20jährig ging sie nach Heidelberg, heiratete 1915 den Kommunisten Eugen Leviné und arbeitete als dessen Privatsekretärin. Bei Ausbruch der Revolution wurde sie zur wachsamen Beobachterin der politischen Ereignisse. Nach der Ermordung ihres Mannes wurde sie aus Bayern ausgewiesen und kämpfte innerhalb der kommunistischen Partei gegen die Nationalsozialisten. 1933 musste sie emigrieren.

 

 

 

„Mit steigendem Missbehagen wurde diese Zusammenarbeit der Frauen von vielen sozialistischen Männern betrachtet; sie spürten, daß es hier ums Ganze ging, sie fühlten sich bedroht.“ (L.G. Heymann)
Der „Bund sozialistischer Frauen“ wurde im Dezember 1918 in München gegründet und verstand sich als „selbständig und unabhängig von den sozialistischen Männerparteien“. Er sollte der „politischen Aufklärung und Schulung der Frauen“ dienen. „Wir Frauen müssen uns Zeit nehmen für den Versammlungsbesuch und für das Lesen politischer Literatur“.