Kriegsende und Dolchstoßlegende

“Weihnachten sind wir wieder zuhause!”  Mit diesem Ruf auf den Lippen verabschiedeten sich die Soldaten am 1. August 1914 von der zu weiten Teilen kriegsbegeisterten Bevölkerung an die Front. Von dieser Kriegsbegeisterung war vier Jahre später nichts mehr zu spüren. Der Krieg war seit Beginn in einem Stellungskrieg festgefahren, die Versorgungsnot der Bevölkerung immens angewachsen, was die obrigkeitsstaatliche Bindung der Bevölkerung an den Staat erstmals erschütterte.

“Weihnachten sind wir wieder zuhause”

“Weihnachten sind wir wieder zuhause!”  Mit diesem Ruf auf den Lippen verabschiedeten sich die Soldaten am 1. August 1914 von der zu weiten Teilen kriegsbegeisterten Bevölkerung an die Front. Von dieser Kriegsbegeisterung war vier Jahre später nichts mehr zu spüren. Der Krieg war seit Beginn in einem Stellungskrieg festgefahren, die Versorgungsnot der Bevölkerung immens angewachsen, was die obrigkeitsstaatliche Bindung der Bevölkerung an den Staat erstmals erschütterte.
Der Ruf nach Brot und Friede wurde immer lauter. Nach der erfolgreichen Revolution der Bolschewiki in Russland 1917 erfüllten diese ihr Versprechen, den Krieg zu beenden. Die Arbeiterschaft in Deutschland, die die größte Last des Krieges zu tragen hatte, wollte ihrerseits durch einen Friedensschluss ihr Leiden beenden. Sie versuchte, ihre Forderung nach Frieden durch Massenstreiks in Januar 1918 durchzusetzen. Diese Streiks wurden von der Gewerkschaftsführung nicht gebilligt, da diese während des gesamten Krieges auf der Seite der Kriegsbefürworter stand (Burgfrieden) und befürchten musste, bei einem erfolgreichen Streik ihre Position und Macht zu verlieren. Durch militärische und polizeiliche Mittel sowie durch Einschaltung der Mehrheits-Sozialdemokraten (MSPD) und partielle Zugeständnisse seitens der Herrschenden wurden die Streiks beendet. Dabei wurde Kurt Eisner, Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokraten und späterer bayerischer Ministerpräsident, verhaftet.
Jedoch nur neun Monate später, Ende Oktober 1918, konnte man sich auch von offizieller Seite aufgrund des drohenden militärischen Zusammenbruchs der Forderung nach einem Ende des Krieges nicht mehr verschließen. Ludendorff, der zusammen mit Hindenburg Deutschland seit 1917 faktisch als Militärdiktatur regierte, übergab die Macht dem Parlament mit dem Auftrag, Frieden zu schließen. Bereits zwei Wochen später waren die Helden des Krieges zu feige, ihr Versagen einzugestehen: Vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss äußerte Hindenburg, der Krieg sei verloren worden, weil die im „Feld unbesiegten Truppen“ durch die Revolution von “hinten erdolcht wurden”. Die Dolchstoßlegende war geboren. Sie diente im Folgenden der extremen Rechten für ihre Propaganda gegen die Republik.