100 Jahre baierische Revolution

Ausrufung Räterepublik in WürrzburgVeranstaltungsreihe in Nürnberg und Erlangen

Fast vergessen sind  die revolutionäre Aufbruchstimmung, der räterepublikanische »Freistaat Baiern« und die Frauen und Männer, die sich vor 100 Jahren gegen Krieg und Militärdiktatur stellten. Die baierische Revolution von 1918/19 brachte eine vier Wochen bestehende Räterepublik hervor und zerbrach schließlich unter dem Terror der weißen Garden.

Die Veranstaltungen und eine Ausstellung erinnern an die Ereignisse vor 100 Jahren. In der Regionalgeschichte der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen zeigt sich die Spannbreite der Reaktionen außerhalb des Münchens. Während sich Fürth für kurze Zeit der Räterepublik anschließt, wird in Nürnberg der Kriegszustand erklärt, in Erlangen formieren sich Freikorps.

Eröffnung Ausstellung »100 Jahre Revolution in Baiern und die Ereignisse in der Region«

Mittwoch | 27. März | 18:30 Uhr | Stadtbibliothek Erlangen
mit der Kuratorin Ingrid Scherf aus München.

»alles allen«

Mittwoch | 03. April | 20 Uhr | Stadtbibliothek Erlangen
Filmische Interviews mit 8 Aktivist*innen der Münchner Räterevolution (1988/2018) vorgestellt von Petra Gerschner und Michael Backmund aus München.
Sie wuchsen im Krieg unter katastrophalen Lebensbedingungen auf und litten unter Armut, Hunger und Not.
Als Kinder, Jugendliche und junge Aktivist*innen politisch aktiver Familien der Münchner Arbeiter*innen-Stadtviertel erlebten sie die Räterevolution am 7. November 1918 und den Aufbruch der Rätezeit bis Mai 1919. Davon berichten Centa Herker-Beimler, Benno Scharmanski, Mathilde und Hugo Jakusch, Emil Meier, Peter Lichtinger, Wilhelmine Dittenheber und Sofie Radischnigg. Nach der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik durch Freikorps und die von der SPD aus Berlin geschickten Reichswehreinheiten organisierten sie sich in der kommunistischen und anarchistischen Jugend-bewegung und leisteten Widerstand gegen die entstehende NS-Bewegung und später gegen Krieg und Faschismus. Hugo Jakusch, Emil Meier und Kasimir Dittenheber gehörten zur ersten Dachauer Häftlingsgruppe: Sie wurden am 22. März 1933 ins KZ Dachau verschleppt. Alle Zeitzeug*innen leisteten Widerstand gegen den NS und überlebten Repression, Verfolgung, Folter sowie Haft in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern. Auch nach 1945 blieben sie bis zu ihrem Tod politisch denkende und handelnde Menschen.

Die Interviews mit den Zeitzeug*innen sind 1988 in kollektiver Zusammenarbeit von Ulrike Bez, Petra Gerschner und Michael Backmund entstanden, um die Berichte und Erfahrungen der wenigen noch lebenden Augenzeugen zu bewahren und weiterzugeben.
© All rights reserved: Michael Backmund, Ulrike Bez, Peider A. Defilla, Petra Gerschner, München 1988/2018
Redaktion: Michael Backmund, Petra Gerschner

alles allen

»Vom Mord an Kurt Eisner zum Attentat am Olympia Einkaufszentrum«

100 Jahre rechter Terror in Bayern

Dienstag | 09. April | 20 Uhr | IGM-Saal, Friedrichstr. 7 in Erlangen
Vortrag mit Robert Andreasch

Nach der Selbstenttarnung des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) im November 2011 zeigten sich viele überrascht: Neonazis, die abgetaucht sind, Serienmorde, Nagelbombenan-schläge und Raubüberfälle begehen? Robert Andreasch, Journalist und Mitarbeiter der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München, erzählt die Geschichte rechtsterroristischer Gruppierungen in Bayern seit dem Mord an Ministerpräsident Kurt Eisner. Viele rechte Anschläge wurden ignoriert oder vergessen. Welche Konzepte des bewaffneten Kampfes wurden und werden in den hiesigen rechten Szenen diskutiert und umgesetzt? Welche politischen Kampagnen von rechts wurden und werden durch Anschläge begleitet und warum? Welche Konsequenzen sollten Antifaschist*innen ziehen?

Einlassvorbehalt: Personen, die neonazistischen Organisationen angehören oder der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.

In Kooperation mit:

Demo »Kein Schlussstrich 7.11.18 | Foto: Robert Andreasch –  a.i.d.a. Archiv München

Führung durch die Ausstellung »100 Jahre Revolution und die Ereignisse in der Region«

Dienstag | 07. Mai | 18:30 Uhr | Stadtbibliothek Erlangen
mit der Kuratorin Ingrid Scherf aus München

»Würden Barrikaden gebaut – ich wäre der erste, der sich daraufstellte« (Georg Heym, 1910)

Dienstag | 07. Mai | 20 Uhr | Stadtbibliothek Erlangen
Donnerstag | 09. Mai | 19 Uhr | Villa Leon
Nürnberg

Szenische Lesung von Nadja Bennewitz, Martina Fries & Michael Liebler.
»Literat*innen, jüdische Intellektuelle, Expressio-nist*innen und radikale Frauenrechtlerinnen: Sie schrieben gegen Massensterben und Massentöten und gegen den Krieg. Sie forderten eine »Politisierung des Geistes« und eine »Dichtung im Dienst der Revolution« Doch ihre Utopie scheiterte – musste sie? »Einmal müssen wir Ernst machen mit der Utopie. Heute, sag ich. Sofort.« (René Schickele)

»Ich nahm die rote Fahne und schrie: Hoch die Revolution!« Frauen in der Räterepublik

Donnerstag | 16. Mai | 19 Uhr | Villa Leon Nürnberg
Donnerstag | 23. Mai | 19 Uhr | Archiv & Bibliothek Metroproletan Nürnberg
Vortrag von Nadja Bennewitz M.A. Historikerin

„Da kam das Starke, Unerwartete: die Revolution. Die Ketten fielen, die Frau war frei. Ich las die Botschaft – fast fehlte mir der Glaube“, so die „Frauenrechtlerin des Frankenlandes“ Berta Kipfmüller.
Wie erlebten Frauen die baierische Revolution und Räterepublik? Wie sah ihre Beteiligung an den Räten aus? Teilten alle Revolutionäre die „Sehnsucht nach Gerechtigkeit von Mann und Frau“ wie Lida Gustava Heymann es formulierte?
In dem Vortrag werden Protagonistinnen der baierischen Revolution und ihre frauenpolitischen Aktivitäten aufgezeigt.

Film: »Es geht durch die Welt ein Geflüster«

17. Mai 2019 | 19 Uhr | Filmhaus Kino | Königstraße 93, Nürnberg 
Boa Videofilmkunst, 45 Min.
Im Zentrum des Dokufilms stehen neben zeitgeschichtlichen Originalaufnahmen zahlreiche Interviews. Die Besonderheit besteht darin, dass es den Macher*innen des Films gelang, 1989, zum 70. Jahrestag, die letzten noch lebenden ZeitzeugInnen und Aktivist*innen aus der Münchner Revolution & Räterepublik 1918/19 zu interviewen.
Die Regisseurin und Filmemacherin Ulrike Bez wird anwesend sein, eine Einführung geben und danach auch zur Diskussion zur Verfügung stehen.

Ausstellung: 100 Jahre Revolution in Baiern  und die Ereignisse in der Region 

Ausstellungszeitraum in Erlangen | Stadtbibliothek | Marktplatz 1
Mittwoch 27.03.2019 bis Dienstag 07.05.2019

Ein Projekt  von:                                    In Kooperation mit:

                  

Ausstellungszeitraum in Nürnberg | Villa Leon | Pilipp-Koerber-Weg 1
Donnerstag 09.05.2019 bis Sonntag 26.05.2019

Veranstalterinnen in Nürnberg: Veranstaltungsgruppe Räterepublik, Prolos, Auf der Suche (AdS) Anarchistische Gruppe Nürnberg, Villa Leon, Allgemeines Syndikat Nürnberg der FAU (Freie ArbeiterInnen Union)

   

Flyer zur Ausstellung mit Begleitprogramm Außenseite: download als PDF  Innenseite: download als PDF

Veranstaltungsplakat: download als PDF
Plakat 100 Jahre Räterepublik